Feature Darstellungsform Beispiel Essay

Journalistische Darstellungsformen gelten für alle Medien, also Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk, Fernsehen und Internet. Kennzeichnend für die bundesdeutsche Journalismuslehre nach 1945 ist die vom amerikanischen Journalismus übernommene Trennung von Information und Meinung (Trennungsregel).

Informierende Darstellungsformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachrichten und Berichte zu schreiben, ist das journalistische Kernhandwerk. Die Auswahl der Themen erfolgt nach dem Nachrichtenwert, der sich zusammensetzt: a) aus der Aktualität und b) aus dem Wissens-, Unterhaltungs- und Nutzwert. Mehr als alle anderen Darstellungsformen sind Nachrichten und Berichte am Ziel der Objektivität orientiert; sie müssen sich jeder Wertung enthalten.

  • Kurzmeldung: die auf das Minimum beschränkte Darstellung eines allgemein interessierenden Ereignisses. Das ist in der Regel etwas bereits Geschehenes; es kann sich aber auch um eine Ankündigung handeln.
  • Nachricht: Die kompakte Darstellung eines Ereignisses, das für Leser, Radiohörer oder Fernsehzuschauer interessant und wichtig ist. Im Gegensatz zur Kurzmeldung gibt die Nachricht Antwort auf alle für das Thema relevanten journalistischen W-Fragen: Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? Woher/welche Quelle?
Für den Aufbau der Nachricht gilt das Grundprinzip: Das Wichtigste, der Kern, kommt zuerst. Auf den Kern folgen die anderen Bausteine: Einzelheiten, Quelle, Hintergrund (d. h. Vorgeschichte, Zusammenhänge, interessante Zusatzinformationen). Die Reihenfolge dieser Bestandteile ist nicht starr, sondern richtet sich nach der Zweckmäßigkeit. Zum Beispiel kann es sinnvoll sein, zuerst auf die Vorgeschichte einzugehen und erst dann die Einzelheiten des Ereignisses zu schildern. In der neueren Fachliteratur spricht man vom „Bausteine-Modell“. Es ist weniger streng als das Prinzip der umgekehrten Pyramide, das im 19. Jahrhundert in den USA entwickelt wurde. Es soll vor allem veranschaulichen, dass die Wichtigkeit der Fakten nach unten abnimmt: Oben ist die Pyramide breit, unten schmal und spitz. Dadurch kann man sehr leicht Artikel, von unten beginnend, kürzen.
  • Bericht: länger als die Nachricht, im Aufbau aber identisch: das Wichtigste, Interessanteste zuerst. Der Bericht enthält Einzelheiten (z. B. längere Zitate) und Hintergrundinformationen, die über den Nachrichtenkern hinausgehen, auch zitierte Urteile, Einschätzungen, Stellungnahmen von Experten.

Weitere informierende Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die längeren informationsorientierten Darstellungsformen folgen in der Regel nicht dem Prinzip 'Das Wichtigste zuerst', sondern vielmehr einem roten Faden und einem Spannungsbogen. Im Gegensatz zu den streng objektiven Formen Kurzmeldung, Nachricht und Bericht tritt vielfach die Person des Journalisten in Erscheinung – mit subjektiven Beobachtungen und Einschätzungen. Eckart Klaus Roloff nannte Formen wie Reportage, Feature, Porträt und Essay deshalb interpretierende Darstellungsformen. Wolf Schneider und Paul-Josef Raue sprechen von unterhaltenden, Michael Haller von erzählenden Formen.

  • Reportage: Lebendige Schilderung eines Ereignisses, das der Reporter selbst beobachtet (hat). Am deutlichsten wird diese Darstellungsform in der Live-Reportage im Radio: Der Reporter sagt, was er sieht und was er sonst noch von der Sache weiß. Für die Print-Reportage bringt der Reporter seine Eindrücke zu Papier. Er muss dazu unbedingt selbst am Ort des Geschehens gewesen sein. Als Tempus für eine live-ähnliche Schilderung bietet sich das Präsens an. Im Gegensatz zum Bericht zitiert die Reportage nicht nur offizielle Auskunftgeber, sondern auch „einfache“ Leute. Ideal ist es, wenn eine Reportage im Konkreten das Allgemeine sichtbar macht.
  • Feature: bunter und vielfältiger als die Reportage. Im Vordergrund steht nicht die live-ähnliche Schilderung, sie dient oft nur als Einstieg. Vielmehr geht es im Feature um allgemeine, nicht an die Tagesaktualität gebundene Themen, die am Einzelfall veranschaulicht werden. Nach Walther von La Roche kennzeichnen „ständiger Wechsel zwischen Anschauung und Abstraktion, zwischen Schilderung und Schlussfolgerung“ die Darstellungsform. (s auch Radio-Feature).
  • Porträt: Eine Person, eine Gruppe, auch eine Institution oder ein Unternehmen können journalistisch porträtiert werden. Bei Personenporträts wird oftmals eine Kombination aus (frei wiedergegebenem) Interview und Reportage oder Feature gewählt. Ein Unternehmensporträt ist meist eher nachrichtlich aufgebaut. Porträts können sogar kommentierende Elemente enthalten. Genau genommen ist das Porträt keine Darstellungsform, sondern ein Inhalt (La Roche).
  • Interview: im (bearbeiteten) Originalton oder Originaltext wiedergegebenes Gespräch einer oder mehrerer Journalisten mit dem Interviewpartner in Frage- und Antwort-Form. Es gibt drei Arten des Interviews: Das sachzentrierte, das personenzentrierte und das meinungszentrierte Interview.
    • Im sachzentrierten Interview beantwortet ein Experte Fragen zu einem Sachverhalt. Möglicher Einsatz: Auf Ratgeber- oder Technikseiten.
    • Im personenbezogenen Interview steht das Interesse an der interviewten Person im Mittelpunkt. Möglicher Einsatz: in Society-Publikationen, Talkshows.
    • Die Stellungnahme steht beim meinungszentrierten Interview im Mittelpunkt.
Eine Mischung mehrerer Varianten ist möglich, bei einem längeren Interview mit einem Politiker wird das Gespräch sehr wahrscheinlich sowohl über Sachfragen als auch die Person gehen. Interviews werden häufig vor der Veröffentlichung von dem Gesprächspartner gegengelesen und anschließend autorisiert, also freigegeben. Dabei geht es nicht um Zensur; eine maßgebliche Veränderung der Gesprächsinhalte im Nachhinein ist unüblich. Vielmehr soll der Gesprächspartner Gelegenheit bekommen, die Aussagen auf inhaltliche Richtigkeit zu überprüfen. Verändert der Interviewte in der Autorisierungsphase die Inhalte wesentlich, läuft er Gefahr, dass die Redaktion das Interview nicht veröffentlicht. In einigen Fällen haben Zeitungen bereits leere Seiten gedruckt, mit dem Hinweis, dass an dieser Stelle ein Interview mit XY hätte erscheinen sollen, worauf aber aufgrund übermäßiger Eingriffe verzichtet worden sei. Im angloamerikanischen Journalismus ist die Autorisierung nicht üblich.
Sonderform: Umfrage oder Vox pop.

Meinungsäußernde Darstellungsformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während in den informierenden Formen die Meinung des Journalisten nichts zu suchen hat, ist sie das Kennzeichen folgender Darstellungsformen:

  • Leitartikel: Der Leitartikel befasst sich weniger mit tagesaktuellen Themen, sondern vielmehr mit Entwicklungen und Trends. Dabei gibt er nicht nur die Meinung eines einzelnen Verfassers wieder, sondern (basierend auf der Grundtendenz des jeweiligen Publikationsorgans) auch die Meinung der Mehrheit der Redaktion (hält sozusagen die „Fahne“ der Redaktion hoch) (Editorial)
  • Kommentar: Die Meinung eines einzelnen Verfassers zu einem (tagesaktuellen) Sachverhalt, über den vorher (bei Funk und Fernsehen respektive bei Printmedien) an anderer Stelle berichtet wurde. Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Arten des Kommentars:
    • beim Einerseits-/Andererseits-Kommentar vergleicht der Autor verschiedene Argumente für und wider den Sachverhalt, ohne sich auf eine Position festzulegen.
    • Der Geradeaus-Kommentar strebt stracks auf sein Ziel zu.
    • Der argumentierende Kommentar enthält meist drei bis fünf Argumente des Autors, mit denen dieser seine Meinung begründet. Am Ende wird das anfangs bereits gefällte Urteil bekräftigend aufgenommen; manchmal gibt ein letzter Satz einen Ausblick.
  • Kritik: Hier wird eine Publikation (vor allem neue Bücher und andere Printprodukte, Bühnenstücke, Filme, Fernsehproduktionen), eine Institution oder eine Veranstaltung ausführlich besprochen. Bei Kulturereignissen, speziell Büchern, spricht man von einer Rezension oder Besprechung; ist die Kritik negativ bzw. destruktiv, weil sie den Gegenstand ihrer Betrachtung in den wesentlichen Teilen seiner Ausführung und Zielsetzung als gescheitert ansieht, von einem Verriss. Eine Bewertung von Produkten nennt man Test. Die Kritik verwendet auch Elemente anderer journalistischer Darstellungsformen: Bericht (Nachricht), Reportage, Kommentar, gegebenenfalls Interview (Zitate), Feature, Essay, Glosse. Sie verbindet Meinung und Information und hat oft konkreten Nutzwert.
  • Glosse: Ein Sammelbegriff für kurze, subjektiv geschriebene Meinungsartikel mit einer spitzen Argumentation. In einer Glosse können Themen aller Art behandelt werden. Meist ist ihr Unterton heiter und ironisch. Glossen in Lokalzeitungen oder Lokalausgaben überregionaler Zeitungen heißen Lokalglossen (oder Lokalspitzen). Oft werden Wortspiel, Metaphern, Ironie und Satire als Stilmittel eingesetzt.
  • Kolumne: Ein Meinungsartikel eines einzelnen, oft bekannten Publizisten.
  • Essay: Ein Essay, seltener: Essai (der, selten: das; über französisch essai von mittellateinisch exagium, „Probe“, „Versuch“) ist eine kurze, geistreiche Abhandlung, in der ein Autor subjektive Betrachtungen zu kulturellen oder gesellschaftlichen Phänomenen liefert.
  • Betrachtung: Vergleichsweise seltene Darstellungsform. Die Betrachtung hat in den Darstellungsformen nach der „Leipziger Schule“ (der Studiengang Journalistik in Leipzig war der einzige in der DDR und Zugangsvoraussetzung für das DDR-Mediensystem) einen festen Platz. Die Betrachtung analysiert meinungsbetont in einem längeren Beitrag ein (gesellschafts-)politisches Problem. Das war aus Sicht der DDR-Medienmacher notwendig; der Journalismus der DDR verstand sich als Propaganda-Instrument der SED. Heute findet die Betrachtung als Darstellungsform nur noch sehr selten Anwendung, gelegentlich findet sich die Betrachtung noch im Kulturteil von Zeitungen.
  • Feuilleton: Heute keine Darstellungsform mehr, sondern ein Ressort. Als Feuilleton bezeichnet man den gesamten Kultur- und Gesellschaftsteil einer Zeitung (am Wochenende auch als Sonntagsbeilage bezeichnet). Gelegentlich wird heute noch eine kleine Form so genannt, die eher literarisch ist: Kaum beachteten Kleinigkeiten des Lebens wird eine menschlich bewegende Seite abgewonnen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst prägte Emil Dovifat den Begriff der journalistischen „Stilformen“. Zur Abgrenzung bevorzugt die aktuelle deutschsprachige Journalistik nach 1945 die Bezeichnung „journalistische Darstellungsformen“.

Seit den 1950er-Jahren entstand in der Bundesrepublik nach US-amerikanischem Vorbild eine professionelle Journalistenausbildung. Hier stand an, Darstellungsformen zu definieren und zu kategorisieren. Pionierarbeit für Deutschland leistete Walther von La Roche, dessen „Einführung in den praktischen Journalismus“ dies 1975 grundlegend beschrieb. Parallel unterschied in der DDR eine differenzierte journalistische Genre-Theorie informatorische, analytische und bildhaft konkrete Mitteilungsweise.

Wolf Schneider und Paul Josef Raue erweiterten die informierenden und meinungsäußernden Formen um die Kategorie Unterhaltung. Eine ähnliche wissenschaftliche Definition der Darstellungsformen findet sich bei Siegfried Weischenberg („Hamburger Schule“). Nach der „Mainzer Schule“ (Fischer Lexikon) kommen als dritte Kategorie die phantasiebetonten Formen wie Hörspiel und Kurzgeschichte (also literarische Formen) hinzu.

In der Praxis bewährt hat sich die Definition von Michael Haller („Leipziger Schule“), die zwischen objektiven und subjektiven Formen unterscheidet. Dagegen sieht Eckart Klaus Roloff als dritte Form die interpretierenden Textgattungen wie Porträts, Features, Interviews, Essays und Reportagen.

Um die längeren informationsorientierten Formen wie Interview, Reportage und Feature in Aufbau und Erzählhaltung zu beschreiben, haben Michael Haller und Christoph Fasel vorgeschlagen, sie als "erzählende" Darstellungsformen innerhalb der informierenden Darstellungsformen zu benennen, vgl. auch Storytelling.

Formate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In unterschiedlicher Ausprägung finden sich die journalistischen Darstellungsformen in den journalistischen Formaten wieder.

Beispiele dafür sind

Bilder, Grafiken, Tabellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte: Diese alte Weisheit (auch in Redaktionen) ist im visuellen Zeitalter der Bilderfluten elektronischer Medien immer noch wichtig. Mit dem Fotojournalismus beschäftigt sich deshalb ein eigener Beitrag.

Die meisten Tageszeitungen sind für den Mantel-Teil auf Agentur-Fotos angewiesen. Ein Großteil der eingehenden Agentur-Fotos verteilt sich entsprechend den Nachrichtenfaktoren auf die Kategorien: Prominente aller Art, Katastrophen (Unfälle, Wetter, Erdbeben) und Konflikte.

Im Lokalbereich resultiert ein Großteil der Fotos aus (offiziellen) Terminen. Diese werden von manchen ein wenig spöttisch „Schüttelbilder“ genannt und zeigen z. B. Ehrungen, Einweihungen, kommunalpolitische und vereinsorientierte Anlässe. Illustrierte legen seit jeher Wert auf qualitativ gute Bilder. Sie beschäftigen eigene und freie Fotografen, welche es möglich machen, Reportagefotos und ganze Fotostrecken zu bringen.

Formale Bestandteile eines Beitrags[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein informierender journalistischer Beitrag besteht meist aus einer Überschrift, einem Vorspann und dem eigentlichen Text.

  • Die Überschrift kann neben der eigentlichen Überschrift (als Schlagzeile oder Hauptzeile, meist fett gesetzt) eine Dachzeile und/oder eine Unterzeile beinhalten, die optisch weniger ins Auge fallen als die eigentliche Überschrift.
  • Vor dem Text erscheint häufig ein Vorspann oder Lead, oft fett gesetzt, der die wesentliche Aussage des Beitrags in wenigen Zeilen zusammenfasst. Dieser Teil ist noch kein Bestandteil des folgenden Textes, also nicht dessen Anfang.
  • Daran schließt sich der eigentliche Text des Beitrags an, der in Absätze gegliedert ist und die oben beschriebenen Gestaltungselemente enthalten kann.

Zusätzlich kann der Beitrag enthalten

  • eine Quellenangabe, etwa die Agentur, wenn die Nachricht übernommen wurde,
  • eine Ortsmarke wie Stadt. -
  • Autorennamen oder Autorenkürzel.

Kommentare sind immer namentlich oder mit einem eindeutig zuzuweisenden Autorenkürzel gekennzeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ↑Website mit weiterführenden Informationen zu La Roches Einführung in den praktischen Journalismus

Basiswissen Journalismus: Darstellungsformen – Schreib das auf! Aber wie?

Wer beim Schreiben experimentiert, macht seine Texte nicht nur für die Leser spannender, sondern auch für sich selbst. Jenseits von Bericht und Meldung gibt es noch eine ganze Reihe weiterer journalistischer Darstellungsformen. Sie machen allerdings mehr Arbeit, als die Fakten einfach runterzuschreiben und seine eigene Meinung mit reinzumischen. Es ist aber eine Arbeit, die sich lohnt.

Die journalistischen Darstellungformen sind keine starren Kategorien. Nur während des Volontariats ist man auf jeden Fall verdammt, der “reinen Lehre” zu folgen und zumindest einmal eine waschechte Reportage, ein glasklar erkennbares Feature oder einen ausgefeilten Leitartikel zu schreiben.

Später vermischen sich die Formen. Das ist nicht so schlimm. Schlimmer: Meist verschwinden alle Stilmittel jenseits der 08/15-Texte á la Bericht und Meldung. Die Zeit ist oft nicht da, man will aktuell sein, oder man will einfach etwas runterschreiben. Und damit das gleich klar ist: Dagegen will ich gar nichts sagen. Viele Weblogs sind beliebt, obwohl sie kaum mal etwas anderes als Berichte enthalten und selbst wenn diese Texte bisweilen unstrukturiert und schwer verständlich sind. Das macht manchmal sogar einen Teil ihres Reizes aus. Sie sind eben nicht so glattgeschliffen wie Tageszeitungen oder Magazine.

Genug der Vorrede. Welche journalistischen Darstellungsformen gibt es denn nun?

Meldung

Die Meldung sieht wegen ihrer Kürze einfach aus. Ist sie aber nicht. Manchmal ist sie quälend schwierig, zumindest wenn man sich in den engen Grenzen einer Tageszeitung bewegen muss.

Eine Meldung nach der klassischen Lehre nennt das Wichtigste zuerst, dann in absteigender Wichtigkeit. Eine Meldung muss von hinten nach vorn problemlos kürzbar sein.

Dieser Grundsatz wird bei Presseagenturen wie der dpa heute noch hochgehalten und gilt als Qualitätsmerkmal. Oft funktioniert das gut, gelegentlich ergeben sich daraus sehr seltsame Konstruktionen, wenn man zunächst das Wichtigste benennt und dann in den folgenden Sätzen erst erklären kann, worum es genau geht, wie es dazu kam usw.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, bestellen Sie doch unseren Newsletter. Wir haben jede Woche einen neuen, ausführlichen und nützlichen Beitrag für Sie, geschrieben von Fachjournalisten und Experten. Themen: E-Business, Online-Marketing, Social Media und mehr. Mit uns bleiben Sie auf dem Laufenden und lernen jedes Mal etwas Neues hinzu. Über 1.700 Empfänger nutzen bereits diesen kostenlosen Service! Aktueller Themenschwerpunkt: „Ideen & Innovationen“.

Jetzt E-Mail eintragen...

Bericht

Ein Bericht stellt die Informationen zu einem Thema zusammen. Auch hier ist es wie bei der Meldung so, dass die wichtigsten Informationen zuerst kommen und die Inhalte absteigend wichtig sind. Hier muss zumindest absatzweise von hinten gekürzt werden können.

Nach der reinen Lehre enthält der Bericht nur Fakten, nicht die Meinung des Autors. Der Autor selbst tritt überhaupt nicht in Erscheinung.

In der Realität ist natürlich auch ein Bericht subjektiv. Durch die Auswahl der Informationen und Zitate sowie deren Reihenfolge und durch Nuancen in der Sprache lässt sich ein scheinbar neutraler Bericht schreiben, der dennoch klar eine Tendenz aufzeigt – sehr hinterhältig.

Kommentar

Im Kommentar kann der Autor dann endlich loswerden, was er über eine Sache denkt. Er stellt dazu seine Meinung kurz dar und begründet dann mit einigen wenigen guten Argumenten seinen Standpunkt. Auch bei langjährigen Journalisten wird man diese Urform des Kommentars heute kaum noch finden. Meist ist der Kommentar ein wischi-waschi Text, in dem mal ganz allgemein herumpalavert wird, was wer tun müsste (und sollte!), damit dies und jenes geschieht. Formulierungen wie “einerseits … andererseits” höhlen den eigentlichen Sinn des Kommentars aus und machen ihn weich und labberig. Bah. Blogger sollten das besser drauf haben. Hier dürfte die Herausforderung eher darin bestehen, sich auf eine Aussage und eine Liste von wenigen guten Argumenten zu beschränken.

Glosse

Bei einer Glosse wird ebenso wie beim Kommentar auf ein bestimmtes Thema eingegangen. Es wird aber überspitzt oder satirisch dargestellt. Reine Polemik und Übertreibung nutzen sich mit der Zeit ab. Jemand, der sich jederzeit bis an die Grenzen (und darüber hinaus) echauffiert, wird seine Leser langweilen. Die Schwierigkeit der Glosse besteht also im richtigen Maß, damit sie nicht einfach albern und unglaubwürdig wirkt. Da sich Blogs außerhalb von redaktioninternen Vorgaben und Grenzen bewegen, kann sich die Glosse frei entfalen – und wird ja auch schon oft verwendet, ohne dass sie so genannt wird.

Leitartikel

Beim Leitartikel werden ein Thema und die Meinungen dazu ausführlich dargestellt. Er gibt einen Gesamtüberblick zum Thema oder richtet den Blick auch nach vorn in die Zukunft.

Kolumne

Die Kolumne ist streng genommen keine eigene Darstellungsform. Sie hat in der Zeitung meist einen festen Platz und beschäftigt sich regelmäßig mit einem bestimmten Thema oder zeigt eine bestimmte Sichtweise. Oft ist die Kolumne also mit einem Autor verknüpft. In ihr können sich Kommentare finden, aber auch Glossen.

Rezension

Bei einer Rezension geht es um Bewertungen und Meinungen zu einem bestimmten Gegenstand, beispielsweise einem Buch, einem Theaterstück oder einer CD. In der Rezension werden zugleich alle notwendigen Fakten vermittelt, am Beispiel Buch: Autor, Titel, Verlag, Inhalte, Seitenzahl, Preis etc. Meistens haben Rezensionen ein gewisses Raster, damit sie miteinander vergleichbar sind. Gelegentlich werden auch miteinander verwandte Gegenstände parallel besprochen oder miteinander verglichen.

Reportage

Wie beim Kommentar darf und soll sich der Autor bei der Reportage selbst einbringen. Sie vermittelt Eindrücke von dem, was dem Autor begegnet ist.

Vom Aufbau her sind sich viele Reportagen ähnlich. Zunächst gibt es einen “szenischen Einstieg”. Man erzählt auf eine eher literarische Weise den Beginn. Das kann der tatsächliche Beginn dessen sein, worüber man berichten will oder man sucht sich einen anderen passenden Zeitpunkt. Im folgenden Text wechseln sich szenische Teile und Fakten über das Thema relativ regelmäßig ab. Idealerweise passen die Szenen und Fakten so zusammen, dass sie den Leser gemeinsam durch das Thema führen. Am Ende folgt der szenische Ausstieg, der vielfach wieder Bezug auf die erste Szene nimmt und somit den Kreis schließt.

Eine Reportage ist nicht leicht zu schreiben. Es kann aber sehr viel Spaß machen. Und wenn sie gelungen ist, wird sie auch die Leser begeistern. Es ist eher eine literarische Form und erzählt eine Geschichte. Es ist dabei erlaubt und gewollt, dass der Autor selbst in Erscheinung tritt und seine eigenen Gedanken und Gefühle einbringt.

Feature

Das Feature sieht der Reportage recht ähnlich. Auch hier findet man häufig einen szenischen Einstieg und auch innerhalb des Textes können sich szenische Elemente und Informationen miteinander abwechseln. Während die Reportage aber ein bestimmtes Ereignis oder einen bestimmten Menschen darstellt, beschäftigt sich das Feature mit einem allgemeineren Thema. Es beginnt zunächst mit einem konkreten Beispiel und weitet sich dann auf eine allgemeine Betrachtung aus.

Essay

Beim Essay verschwimmen ähnlich wie bei Reportage und Feature die Grenzen zwischen literarischem und journalistischem Schreiben. Das Essay behandelt ein Thema ausführlich und beleuchtet es von verschiedenen Seiten. Es ist dabei die Kunst des Autors, den Text spannend, unterhaltsam, informativ zu gestalten. Der Leser soll den Autor dabei begleiten, wie er sich Gedanken über das Thema macht. Es ist vielleicht vergleichbar mit einer wissenschaftlichen Abhandlung, aber mehr auf Unterhaltung und die Sprache ausgelegt.

Interview

Das Interview kennen sicher alle als Darstellungsform. Es sieht aus wie ein Gesprächsprotokoll zwischen dem Interviewer und seinem Interviewpartnern. Es gibt natürlich auch Interviews mit mehreren Fragenden und Antwortenden.

Die Kunst des Autors besteht hier darin, das Gespräch gut vorzubereiten und zu leiten. Zudem wird im eigentlichen Text (meistens) nicht einfach wortwörtlich wiedergegeben, was gesagt wurde. Auch ein Interview wird gestaltet. Missverständnisse, Rückfragen, Wiederholungen etc. werden entfernt. Natürlich kann es ebenso interessant sein, das Interview in der Rohfassung zu veröffentlichen. Die Frage ist dabei nur: Vermittelt das dem Leser zusätzliche Informationen?

Möglich ist auch ein standardisierter Fragebogen, der immer wieder verschickt wird.

Fazit

Klar zu sehen: Es gibt noch mehr Möglichkeiten als die Glosse, den Kommentar, den Bericht oder die Meldung. Und vielleicht ist es ja sogar spannend, das mal auszuprobieren – wenn die Zeit es erlaubt.

Übrigens eignen sich viele dieser Formen nicht nur fürs Schreiben. Auch Podcasts können davon profitieren. Allein Feature und Reportage, schick gemischt mit Originaltönen, können richtig viel Spaß machen.

Über diesen Artikel

Dieser Artikel erschien bei UPLOAD erstmals im Rahmen der Blog-Aktion “UPLOAD-Einweihungsfete” am 20. Januar 2007. Für die Serie “Basiswissen Journalismus” habe ich ihn wieder nach vorn geholt, weil viele ihn noch nicht kennen werden und weil sich inhaltlich an den Darstellungsformen im Journalismus seitdem nichts verändert hat.

Alle Beiträge der Serie “Basiswissen Journalismus” auf einen Blick

Artikel vom 27. November 2007

0 Thoughts to “Feature Darstellungsform Beispiel Essay

Leave a comment

L'indirizzo email non verrà pubblicato. I campi obbligatori sono contrassegnati *